In unserm Alltagsleben werden wir auf mancherlei Weise mit der Vergangenheit konfrontiert.
Manchmal sind es mehr oder weniger angenehme Erinnerungen oder gar ein schon länger zurück
liegendes ungelöstes Problem, das einen immer wieder Sorgen bereitet. Auch der Erdboden gibt
gelegentlich Dinge frei, die vor unterschiedlich langen Zeiten unter die Erde gekommen sind.
Einem solchen Fund standen Anfang dieser Woche unvermittelt die beiden Schlossmitarbeiter Herbert
Lauter und Andy Sikatzki gegenüber. Beim Ausbessern des Weges, der links vom Teehäuschen auf
den Hang führt, kamen plötzlich menschliche Knochen zum Vorschein. An dieser Stelle war so etwas
nicht zu vermuten, so dass das Rätselraten über den Grund begann, hier einen Menschen zu
begraben. In solchen Fällen sollte man zunächst die Polizei benachrichtigen, was auch umgehend
geschah. Frau Laue von der Bad Freienwalder Polizeiwache schickte zunächst zwei Kollegen und
verständigte den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Am Dienstagnachmittag kam Joachim
Kozlowski, Nachfolger des verdienstvollen Volksbund-Umbetters Erwin Kowalke, in Begleitung von
Frau Kowalke zu uns, um der Sache auf den Grund zu gehen. Nach dem Zustand der Gebeine zu
urteilen, die ganz knapp unter der Erdoberfläche lagen, sind sie erst einige Jahrzehnte alt. Da im Bad
Freienwalder Stadtgebiet im April 1945 keine direkten Kampfhandlungen stattgefunden haben, handelt
es sich wohl nicht um die Überreste eines gefallenen Soldaten. Gleichwohl liegt die Vermutung nahe,
dass es sich trotzdem um ein Kriegsopfer handelt. Möglich wäre, dass der Tote zu einem der Trecks
gehörte, die sich 1945 entlang der Berliner Straße gen Westen bewegten. Wenn jemand auf der
entbehrungsreichen Flucht verstarb, legte man ihn oft einfach in den Straßengraben oder wie an
dieser Stelle in den Schlosspark. Als man den Toten später fand, musste er irgendwie unter die Erde
gebracht werden.
Das alles kann man nur vermuten. Es handelt sich um einen männlichen Toten, bei dem keine
Kleidungs- oder Ausrüstungsreste gefunden wurden. Herr Kozlowski hat die Fundstelle dokumentiert
und die Gebeine des nicht mehr vollständigen Skeletts, bei dem u.a. der Schädel fehlte, geborgen.
Wie so viele unbekannte Kriegstote werden diese sterblichen Überreste in einem kleinen
Pappsarkophag auf der Lietzener Kriegsgräberstätte zur letzten Ruhe gebettet.
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